ZukunftsLernraum: Tischlein deck dich

In der letzten Stunde des generationsübergreifenden ZukunftsLernraumes an der ESBZ deckten wir bei einer gemeinsamen Zielfindung mit den Schülern für das Halbjahr auf, dass am meisten das Mittagsessen an Schule stört. Daraufhin nahmen wir uns der Problematik an und überlegten uns, wie wir das Thema Essen am besten mit unserer ursprünglich geplanten Zielsetzung, einen ZukunftsLernraum zu gestalten, verbinden könnten.

Da die Wahrnehmung von gutem Essen nicht nur vom eigentlichen Verzehr von Lebensmitteln abhängt, sondern auch von vielen anderen Eindrücken und der Atmosphäre drum herum, fanden wir hier unseren Anknüpfungspunkt.

Somit stellten wir den Schülern und uns in der 3. Stunde als Oberthema die Frage: “Was beeinflusst alles den Genuss von Essen und wie können wir das Mittagessen verbessern?”

Dafür kreierten wir für sie ein anderes Setting im Forum: wo sonst nichts oder nur Stühle in der Aula stehen, haben wir sie diesmal mit 4 verschiedenartig eingedeckten Tischen wie in einem Café empfangen. Jeder dieser Tische stand unter einem anderen Motto und vermittelte jeweils eine andere Atmosphäre bei denjenigen, die am Tisch Platz nahmen. Die Schüler verteilten sich auf die Plätze, wussten jedoch noch nicht, ob und was es zu essen geben wird.

Neugierig warteten sie und waren ganz gespannt, was wir ihnen auftischen würden. Wir reichten ihnen Schwarzbrotschnittchen mit Käse und Tomaten und Obst bis hin zu Keksen und Salzstangen. Als die Schüler bemerkten, dass es auf jedem Tisch nur etwas Bestimmtes gab, begann ein Run auf die anderen Tische und die Mahlzeiten wurden untereinander ausgetauscht. Das interessante daran war, dass ihnen offenbar sowohl Abwechslung und eine Auswahl wichtig war.

Nachdem wir ihnen noch einen Film zum Thema Brainfood zeigten, wie sich Essen auf ihre Gedächtnisleistung und ihr Wohlbefinden auswirken kann, näherten wir uns unserem Anliegen „Essen im Raum“ zu betrachten. Somit begannen wir gemeinsam das Thema Schulessen näher zu betrachten und zu erarbeiten.

Einerseits wurde über die Art der Lebensmittel (Brainfood) gesprochen, anderseits stellten wir auch Fragen wie: Was macht Essen sonst noch aus? Und wie nehmen sie den aktuellen Raum war? – wir teilten unsere Erfahrungen und Eindrücke miteinander. „In der Mensa ist es zu dunkel“ und „ein Tischtuch verändert schon die Atmosphäre“ hieß es von den Schülern. Zum Essen selber fiel ihnen kaum noch etwas anderes ein, als „es ist schrecklich und immer verkocht“. Dem wollten wir gemeinsam weiter nach gehen.

Das Bewusstsein der Schüler war bereits nach unserer Gesprächsrunde im Café Stil da, dass Essen und dessen Genuss mit mehr als nur der Lebensmittelauswahl und der Zubereitung zu tun haben.

Daher machten wir im zweiten Teil der Stunde einen Fast Forward, einen Ideen-Schnelldurchlauf, um gemeinsam der Frage nach zu gehen: “Wie können wir das Mittagessen verbessern?” Zuerst näherten wir uns dem Thema durch gegenseitige Interviews. In 2er Gruppen haben wir uns über das Essen in der Schule, unser Lieblingsessen und andere Orte, an denen man gut und gerne isst, unterhalten. Dabei kam heraus, dass ein Großteil des Essens in der Schule wieder zurück geht und weggeschmissen wird und dass viele Schüler lieber gar nichts essen, als etwas in der Mensa. Die Hälfte der Kinder berichtete, dass sie immer am gleichen Platz in der Mensa essen, alle Übrigen sitzen immer woanders. Und obwohl sie erst die Mensa gar nicht so gut fanden, haben sie die Mensa doch als perfekten Ort zum Mittagessen genannt.

Kontroverse und interessante Informationen mit denen die Kinder sich nun in die nächste Phase begaben, dem Brainstorming und Ideen finden. Drei Gruppen à 3 Schüler plus erwachsene Teilnehmer nahmen sich der Frage an und wurden unterstützt durch je einen Coach. Ihre Ergebnisse für die Verbesserung des Mittagsessens präsentierten sie zum Abschluss der Stunde. Ein Junge zog sich die Hüfte schwingend das Hemd aus, schwang es über seinem Kopf und versüßte das Essen seines Kollegen durch einen Striptease. Andere zeigten, wie sie lieber an einem Buffet selbst auswählen würden, was sie essen wollen und die dritte Gruppe plante einen Aufstand. Sie wollten den Anbieter zur Rede stellen und haben auf der Bühne die Situation mit einem Rollenspiel nach gestellt.

Wir hatten alle viel Spaß bei der Vorstellung der Ideen der jeweiligen Gruppen. Die Schüler fanden es toll, dass wir für sie ein anderes Setting aufgebaut hatten. Daher kam am Ende der Stunde bei unserer internen Feedbackrunde die Überlegung, ob man eine Veränderung der Raumsituation nicht öfters initiieren sollte, auch um zu inspirieren. Zudem wäre eine Erkundung anderer Mensen spannend. Denn meist wird in jeder Mensa über das Essen gelästert. Wir kennen keine, über die alle schwärmen. Ihr vielleicht? Es scheint auf jeden Fall irgendwie ein verbreitetes Phänomen zu sein, dass Essen in einer Mensa nicht gerade appetitlich ist.

Viele Eindrücke, auch aufgedeckte Kontroversen und Ideen sind hervorgekommen, mit denen wir uns gemeinsam mit den Schülern in der nächsten Stunde am 27.02.2012 weiter beschäftigen werden. Es bleibt weiterhin spannend, wenn wir die Themen Essen und Raum miteinander verknüpfen und somit das Interessensfeld der Schüler mitberücksichtigt wird.

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